Zwei Jahre nach Pandemie-Ende: Post-Covid bleibt ein ungelöstes Versorgungsproblem

30.04.2026


Österreich tut sich weiterhin schwer mit der systematischen Betreuung von Menschen, die unter anhaltenden Folgen einer Corona-Infektion leiden. Eine neue Umfrage Wiener Fachleute unter mehr als 300 Post-Covid-Betroffenen zeigt deutliche Lücken im Versorgungssystem, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits vor zwei Jahren den globalen Gesundheitsnotstand aufgehoben hat. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Wiener Medizinischen Wochenschrift, zeichnen ein konsistentes Bild: Viele Patientinnen und Patienten empfinden die medizinische Unterstützung als unzureichend und zu wenig strukturiert.

Die Studie unter Leitung von Karen Laureen Pesta von der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin – mit Klinikleiter Richard Crevenna unter den Co-Autoren – stützt sich auf eine digitale Befragung, die zwischen August und September 2024 durchgeführt wurde. Von 419 verschickten Fragebögen konnten 312 ausgewertet werden. Teilnahmebedingung war, dass die Befragten mindestens 16 Jahre alt sind, eine bestätigte Covid-19-Infektion hinter sich haben und über mindestens drei Monate hinweg anhaltende Symptome aufweisen. Knapp 84 Prozent der Befragten waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren.

Vor dem Hintergrund der österreichischen Infektionszahlen unterstreichen die Autoren die Dimension des Problems: Nach Schätzung der Wiener Wissenschafter entwickeln rund sechs Prozent der Infizierten länger anhaltende Beschwerden, die als Post-Covid-19-Syndrom oder Long Covid klassifiziert werden. Bei rund sechs Millionen bestätigten Infektionen im Land entspricht dies weit mehr als 100.000 Betroffenen, die potenziell auf eine langfristige, koordinierte Versorgung angewiesen sind. Laut WHO hätte nach der akuten Pandemie-Phase eine effektive Langzeitbetreuung für diese Gruppe etabliert werden sollen.

Nach Einschätzung der Studienteilnehmer bleibt dieses Ziel bislang unerreicht. In der zusammenfassenden Bewertung der Forscher heißt es, Patienten mit Post-Covid-Symptomen stuften die medizinische Versorgung in Österreich als unzureichend ein. Vor diesem Hintergrund bewerten die Autoren die geplante Einrichtung spezialisierter Zentren als medizinisch und wirtschaftlich sinnvoll. Sie argumentieren, dass eine strukturierte, multidisziplinäre Betreuung nicht nur die Versorgungslage für Betroffene verbessern, sondern auch Folgekosten für das Gesundheitssystem begrenzen könnte. Konkrete Umsetzungspläne bleiben Aufgabe der Gesundheitspolitik – der Handlungsdruck ist nach den nun vorliegenden Daten jedoch klar benannt.

Starke Unternehmenszahlen stützen Wiener Börse vor Fed-Entscheid

30.04.2026


Die Wiener Börse hat sich am Mittwoch klar vom uneinheitlichen europäischen Umfeld abgehoben. Der Leitindex ATX schloss mit einem Plus von 0,94 Prozent bei 5.833,94 Punkten und baute damit die bereits im Frühhandel verzeichneten Gewinne aus. Während an den großen Leitbörsen des Kontinents ein klarer Trend ausblieb, sorgten positive Unternehmensnachrichten in Wien für Kauflaune.

Im Mittelpunkt stand der steirische Anlagenbauer Andritz. Die Aktie zog im Tagesverlauf um rund sieben Prozent an, nachdem das Unternehmen für das erste Quartal steigende Umsätze und Gewinne meldete. Besonders der Auftragseingang erreichte ein Rekordniveau, getrieben von mehreren mittelgroßen Projekten im Geschäftsfeld Wasserkraft. Analysten der Erste Group sprachen von einem insgesamt positiven Zahlenwerk und hoben den starken Auftragseingang als „Highlight“ hervor.

Auch der Immobilienspezialist Warimpex sorgte für freundliche Stimmung. Das Unternehmen reduzierte seinen Verlust im vergangenen Jahr deutlich auf 2,4 Millionen Euro, nach einem Minus von 16,5 Millionen Euro im Jahr davor. Warimpex begründete die Verbesserung mit anziehenden Bürovermietungen und positiven Immobilienbewertungen. Die Aktie legte im Handelsverlauf um gut zwei Prozent zu. Daneben wurden Semperit-Papiere ex-Dividende gehandelt, was das Kursbild in einzelnen Segmenten zusätzlich beeinflusste.

Auf Analystenseite prägten mehrere Einschätzungen das Geschehen. Die Erste Group stufte die Aktien des Kranherstellers Palfinger von „Buy“ auf „Accumulate“ ab und senkte das Kursziel von 43,40 auf 42,00 Euro; die Titel gaben daraufhin nach. Gleichzeitig hob das Institut das Anlagevotum für Frequentis von „Hold“ auf „Accumulate“ an und erhöhte das Kursziel deutlich von 65 auf 85 Euro, woraufhin die Aktie moderat zulegte. Deutsche Bank Research bestätigte unterdessen ihre Verkaufsempfehlung „Sell“ für Verbund und beließ das Kursziel bei 55 Euro, die Papiere des Stromkonzerns notierten dennoch im Plus. Im Hintergrund sorgten die bevorstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed, wichtige US-Quartalszahlen sowie steigende Ölpreise angesichts stockender Gespräche zwischen Iran und den USA für eine gewisse Grundzurückhaltung – in Wien überwogen jedoch klar die positiven Impulse aus der Unternehmens- und Analystenebene.